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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Radiocon



Kindertag
09.04.2006, 21:21
letztens sah ich ein Gerät mit dem Inventaraufkleber "radiocon". Meine Frage dazu: sind eigentlich der Funkontroll- und Meßdienst der Deutschen Post und radiocon identisch gewesen. Oder war radiocon ein Teil des FuKMD?

Und wo waren die Standorte von radiocon, zu dessen Aufgaben es wohl gehörte die Einhaltung der Funkbetriebsvorschriften der Funkamateure zu kontrollieren?

KT

Waldwichtel
10.04.2006, 10:20
@ Kindertag


letztens sah ich ein Gerät mit dem Inventaraufkleber "radiocon". Meine Frage dazu: sind eigentlich der Funkontroll- und Meßdienst der Deutschen Post und radiocon identisch gewesen. Oder war radiocon ein Teil des FuKMD?

Und wo waren die Standorte von radiocon, zu dessen Aufgaben es wohl gehörte die Einhaltung der Funkbetriebsvorschriften der Funkamateure zu kontrollieren?

KT

Was stand denn noch auf dem Inventaraufkleber? Deutsche Post?

Meiner Meinung nach war für die ganzen Funksachen (Afu-Prüfung, Gerätezulassung usw) die Deutsche Post zuständig.
"radiocon" war mir bis Dato unbekannt. Versuchs doch mal mit goooogln...

Mal sehen was die Funkamateure dazu sagen...

Gruss aus EE

Roland F.
10.04.2006, 11:15
Mit gooogeln kommt man da nicht sehr weit,
die Funkmesskontrollstellen waren wohl über das ganze Land verstreut. Aber hat die deutsche Post so einen großen Aufwand betrieben, nur um die Funkamateure zu kontrollieren? :confused:
Steckt da noch etwas mehr dahinter? Ich habe mich ja mal da umgesehen, siehe...

http://www.hidden-places.net/forum/showthread.php?t=1327

... da hat es sich wohl nicht nur um die Einhaltung der Funkbetriebsvorschriften gehandelt.

Gruß
Roland

Waldwichtel
10.04.2006, 14:17
@ Roland F


Mit gooogeln kommt man da nicht sehr weit,
die Funkmesskontrollstellen waren wohl über das ganze Land verstreut. Aber hat die deutsche Post so einen großen Aufwand betrieben, nur um die Funkamateure zu kontrollieren? :confused:
Steckt da noch etwas mehr dahinter? Ich habe mich ja mal da umgesehen, siehe...

http://www.hidden-places.net/forum/showthread.php?t=1327

... da hat es sich wohl nicht nur um die Einhaltung der Funkbetriebsvorschriften gehandelt.

Gruß
Roland

Ich möchte nicht, dass das hier wieder ein politisches Thema draus wird.

Im Grunde genommen muss man sich mit der Geschichte des Amateurfunk beschäftigen. Nach Kriegsende wurde beim Potsdamer Abkommen der Amateurfunk für die Besatzungsmächte verboten. Das bedeutete ein Verbot des Hobbys Amateurfunk. Im Hintergedanken hatte man Spionage und Weiterleitung von Nachrichten, wie immer... Anfang der 50er kam es dann auf drängen der Funkamateure zur damaligen Jenaer Tagung und Infolge zur Gründung der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) um die ganze Sache unter Kontrolle zu haben. Der Anfang des Amateurfunks erfolgte nur im Rahmen der GST. Weiter Suchen musst Du in Richtung GST, um mehr zu erfahren.

Ich habe mich von 1965-70 mit Amateurfunk befasst. Eine Lizenz habe ich nie bekommen, weil dies damals an den Tastfunk gebunden war. Die Pieperei lag mir nicht. Die ganze Überwachung wurde nicht so heiss gekocht wie immer dargestellt. Politische Sachen wurden nie übermittelt. Freilich gab es neben den technischen Sachen auch mal den einen oder anderen Ulk der mit rüberwanderte. Es werden schon irgendwo Leute gesessen haben, die die ganze Sache überwacht haben. Die DDR-Technik in dieser Richtung war schon Spitze, Sendersuchlaufautomatik... Es wurde auch von Seiten der Funkamateure auf die Einhaltung der Frequenzen geachtet, ja keinen Strich daneben. Strafen in dieser Richtung sind mir nicht zu Ohren gekommen. Das Schlimmste währe der Entzug der Lizenz durch die Post gewesen und damit Hobby ad...

Ich muss schon Sagen, dass man sich über die Sache wer-wo-wie-was mithört keine so richtigen Gedanken gemacht hat.

Jetzt wo das Thema aufgeworfen wurde interessiert es mich schon, wo diese Punkte waren und wie dicht das Netz war.

Gruss aus EE

Kindertag
10.04.2006, 15:23
schön das es weitere Interessenten am Thema gibt.

der Reihe nach zu Verlauf. Bei google hab ich schon bevor ich hier eröffnete mal nachgesehen. Wäre ja blöd nich vorher schon mal zu erkunden, was so an Wissen zu entdecken ist. Viel kam nicht dabei heraus, eigentlich nur zwei Sachen:

- Glienick (u.a. das was hier bei hidden-places gesagt wurde)
- Bienstädter Warte (bei http://www.lostplaces.de/ im Forum kurz angeschnitten)

Auf dem Aufkleber (eigentlich sicher ein Abziehbild) stand ganz eindeutig gedruckt RADIOCON.

Sicherlich hat sich der Funkkontroll- und Meßdienst der Deutschen Post nicht nur mit den Funkamateuren befasst. Da gab es mehr und wichtigeres zu tun. Funkfelder und Empfangsbedingungen messen, Antennen prüfen, Großsender abnehmen und turnusmäßig überprüfen, Störungsmeldungen nachgehen. Eben alles das, was die Funkkontroll und Meßdienste der Post in aller Welt so tun.

Mich interessiert einerseits der Zusammenhang zwischen FuKMD und RADIOCON. Hier vermute ich mal (sozusagen als Arbeitsthese) es war eine Abteilung des FuKMD. Zuständig dafür zu kontrollieren ob die Funkamateure die technischen Normen eingehalten haben. Was bei Leuten mit hohem Eigenbauanteil und Experimentierfreude wir Funkamateuren ja durchaus notwendig erscheintUnd zum anderen würde ich halt gern wissen, wo die Standorte des RADIOCON waren.
Drittens wäre es sicher für Techniker noch interessant, mit welcher Gerätschaft da gearbeitet wurde. Da scheint mir der Waldwichtel manches zu wissen (Stichwort: Sendersuchlaufautomatik)

KT

Erkunder
10.04.2006, 16:28
KT: ich würde Dir wärmstens einen Besuch bei der BSTU nahelegen! Die haben zu dem Thema wat ;)

Kindertag
10.04.2006, 16:35
Erkunder. Mein Tip, schreib einfach was zum Thema.

KT

Hermann
10.04.2006, 19:17
Erkunder,
Du hast schon Recht, man muß sich vor neuen Arbeitsthesen empfohelnermaßen mit den geschichtlichen Sachverhalten und Aufgabentrennungen befassen. zeitzeugen gibt es ja auch die man befragen kann. So hatte der Funkkontrolldienst der Deutschen Post nicht nur die Aufgabe irgendwelche Amateurfunker zu überwachen, sondern tat dies auch bei anderen kommerziellen Nutzern von Geräten und Netzen. Dabei ging es nicht so sehr um die Inhalte von Funkabstrahlungen sondern auch um Störungen, Behinderungen, Parasitärabstrahlungen. Da man für diese Arbeiten nicht nur die Tatsache an sich dass eine Abstrahlung stattfand, braucht, sondern ggf auch den Strahlstandort der Antenne, ist mir nicht ganz klar, wie man ein Peilsystem in diesen Turm einbringen wollte,
denn zu DDR Zeiten waren keine Peilantennen wie aus den Überwachungstürmen der Bundesluftwaffe bekannt, zu sehen. Ebenso war der FuMKD der Deutschen Post kein Bestandteil des MfS oder umgekehrt und wurde auch nicht als Radiocon bezeichnet. Die Funkmasten der Bienstädter Warte hatten mit der Tätigkeit der Post auch nichts zu tun. Man kann nicht einfach alles in eine These implizieren und dann die Stellen der Funküberwachung verschiedener Dienste in einen Topf werfen.
Die Funkiüberwachung der Deutschen Post saß unweit entfernt in einem ganz anderen Objekt und hatte auch das richtige Antennentragwerk um solche Funkbeziehungen abzuhören. Dazu bedarf es ausser einiger Kontrollpeiler keiner Massen von Dienststellen. In meiner Erinnerung hatte der Turm mit diesem Procedere auch nichts zu tun, auch wenn dort Radio Con dransteht, dies ist eine Bezeichnung von nach 1990, wie die Antenne auf dem Dach des Turmes zeigt. Daher war Dein Hinweis zur BSTU schon sehr wichtig.
Grüsse Hermann

Kindertag
10.04.2006, 19:34
auch wenn dort Radio Con dransteht, dies ist eine Bezeichnung von nach 1990
Grüsse Hermann

Hallo Hermann,

heißt das Radiocon gab es erst nach 1990?

KT

Hermann
10.04.2006, 22:48
ich mit der Deutschen Post zusammengearbeitet habe, gab es eine bezeichnung in Englisch für die Tätigkeit der Funküberwachung öffentlicher netze, Sender, Senderstandorte etc. nicht jedenfalls nannte sich die Diensstelle nicht so. Radio Control ist eindeutig ein eingeführter Begriff und hatte mit der Diktion in der DDR oder der Deutschen Post nichts zu suchen, es sei denn es ging um Verteragstexte in das wetsliche Ausland. Auch bei Verhandlungen nach CCITT und die Frequenzabkommen mit der wetslichen Seite hate Radio Con eine Funktion, aber nicht im Sprachgebrauch der Deutschen Post in deren täglicher Tätigkeit. Also kann an dem Turm zu DDR Zeiten nie Radio Con gestanden haben, weder als Bezeichnung, noch als Funktion. Die Dienststelle die mit diesen Aufgaben betraut war, in der Nähe von TB, hatte eine Deutsche Beschriftung wie es üblich war. Die Arbeiten selbst liessen sich schon unter Funküberwachung (ohne die Bespitzelungshintergrund zu sehen) = Radio CCon einordnen, mir ist der Begriff aber nie untergekommen. bei uns sprach man deutsch.
In jeder guten Karte der Deutschen Post war das Objekt eingezeichnet weil es noch mehr Aufgaben hate, auch im Telefonbuch war es genannt, es war ja nicht geheim.
Es war ganz normal Deutsch beschriftet.
Grüsse Hermann

martin2
10.04.2006, 23:10
Die Dienststelle die mit diesen Aufgaben betraut war, in der Nähe von TB, hatte eine Deutsche Beschriftung wie es üblich war.
@Kindergeburtstag: Sicher ist Dir nicht entgangen, dass Hermann unbestrittener Fachmann ist. Er formuliert extrem dicht; daran muss man sich erstmal gewöhnen. Vor allem aber überliest man meist was.

Zu Deiner Frage bzgl Überwachung der Funkamateure:
1) Die Koordinaten der zugelassenen Sendestationen waren seitens der Deutschen Post bekannt.
2) Die Überwachungszentrale für Amateurfunk stand irgendwo bei Treuenbritzen - wie Du dem zitierten Satz entnehmen kannst.

BTW: Dort steht der einzige (mir bekannte) gemauerte Luftbeobachtungsbunker, dessen Mauersteine diese weißen Kalksteine waren.

Martin

Roland F.
11.04.2006, 00:59
@ Roland F

Ich möchte nicht, dass das hier wieder ein politisches Thema draus wird.



Hallo Waldwichtel,

keine Sorge, ich bin wohl der letzte der daraus ein politisches Thema macht.
Das liegt mir fern.

Viele Grüße aus SPN
Roland

Roland F.
11.04.2006, 01:05
Hallo Hermann,

heißt das Radiocon gab es erst nach 1990?

KT

Ich kann mich mit der ganzen Sache nicht so recht anfreunden, der Turm in Glienick wurde 1963 an Radiocon übergeben, also liegt es nahe das es diese Bezeichnung schon früher gab.

Gruß
Roland

Erkunder
11.04.2006, 06:02
Daher war Dein Hinweis zur BSTU schon sehr wichtig.


Danke Herrmann! Viele Grüße!

moses
11.04.2006, 15:40
Hallo,
die Bezeichnung Radiocon gab es definitiv bereits in den 70er Jahren in der DDR. Ich kenne ihn als Stempelabdruck auf Betriebs-/Dienstausweisen von Leuten, die bei der Deutschen Post angestellt waren. Sie waren mit der Überwachung (im technischen Sinne) von Funk aber auch Fernsehen befasst . Eine Dienststelle von Radiocon gab es z.B. in Molschleben bei Gotha, sie wurde wohl Anfang der 70er Jahre erbaut. Die Mitarbeiter von Radiocon waren aber auch mit mobiler Technok (LO) bei Großereignissen, wie etwa den Weltfestspielen in Berlin, zur Funküberwachung eingesetzt.
MfG moses

Kindertag
11.04.2006, 16:39
hallo Freund von Nils Holgerson

das ist jetzt schon das dritte "Pärchen" welches ich im Hidden-Places Forum entdecke.
Krümel erklärt die Texte von fulcrum.
ssch erläutert wie Erkunders Antworten zu lesen sind
und du übersetzt mir den hermann.

Vieleicht brauche auch ich jemanden, welcher meine Fragen erklärt. Denn eine Frage zur Überwachung der Funkamateure hatte ich gar nicht gestellt.
Was da durch den Funkkontroll- und Messdienst gemacht wurde ist mir schon klar. Was ich wissen wollte ist:
- waren der Funkontroll- und Messdienst der Deutschen Post und radiocon identisch? Oder war radiocon ein Teil des FuKMD?
- wo waren die Standorte von radiocon

aus dem Forum von Lost-Places lag ein Hinweis auf die Bienstädter Warte vor und an verschiedenen Stellen, war von einem radicon Standort in Glienick zu lesen. Für beides kann man nicht eindeutig entnehmen, ob das Bezeichnungen von vor oder nach Emil Schnell sind.
Hermann meint vor 1990 gab es diese Bezeichnung nicht, und er führt als weiteren Standort des Funkkontroll- und Messdienstes Treuenbrietzen ein. Er schreibt RADIOCON auch anders: Radio Con.

Über diesen Standort finde ich nun gar nichts in der weiten Welt des webs. Im Telefonbuch der Hauptstadt der Deutschen Demolkratischen Republik, Berlin, Ausgabe 1989 finde ich auf Seite 96, jedoch das Zentralamt f. Funkkontroll- u. Meßdienst, 1170 Waldpromenade 4. Gab es da evtl. auch Bezirksämter?

Mein persönlicher Hinweis auf RADIOCON (in exakt dieser Schreibweise) stammt, wie gesagt von einem gelben Inventurabziehbild auf einem älterem DDR-Gerät (grau gestrichenem Empfänger oder Meßgerät mit Linearskala). Dem kann man leider nicht ansehen ob 1985 oder 1990 aufgebracht.
Wenn es aber eine Umbenennung gegeben hat (könnte mir denken, das 1989 mancher bei dem Wort Kontrolldienst Aversionen entwickelte), sollte das doch nachvollziehbar und belegbar sein.
Wenn jedoch das stimmt was uns moses mitteilt (uns warum sollte es nicht stimmen) gab es RADIOCON schon zu Ur-DDR Zeiten und nicht erst zur Wendezeit
Der Standort Molschleben scheint den gleichen zu meinen wie unser Freund aus den Lost Places mit der Bienstädter Warte.

Eventuell erklärt mir auch mal jemand, wie ich bei der BStU Informationen über den Funkkontroll- und Meßdienst der Deutschen Post erhalte. Wenn dort etwas vorliegen würde, doch nur so weit wie es für die BStU von Relevanz, also aus MfS Unterlagen existent ist.

Um nun doch noch auf die "Überwachung" der Funkamateure zurückzukommen. Wie soll das möglich sein von Treuenbrietzen aus? Doch am ehesten wenn dort entsprechende Postautos mit Technik standen um an den Ort von Aussendungen zu fahren. (moses nennt den LO)
Oder schickten die Funkamateure ihre Eigenbaugeräte ein um sie zertifizieren zu lassen?

KT

Hermann
11.04.2006, 18:55
Hallo KT, ich hatte ganz bewußt keine Standorte genannt, weil sonst wieder ganze Heerscharen die weder lesen können noch wollen oder sich gar mit den Hintergründen befassen müssen, dorthin eilen und an die Wände schmieren:
Ich war der erste und ich habs als erster geknipst, so gesehen in Prenden, oder in Blankenfelde und weiteren.
Wer will findet die Objektlisten auch selbst. Der Hinweis der BSTU war deshalb relevant, weil bei der BSTU das genannt ist, was zur HA III gehörte. Nun kann man ja die Dinge die man kennt, auf eine Liste setzen und abstreichen.
Man kann auch einige veröffentlichungen zum Mil.-NaD der NVA lesen und ebensolche Listen führen.

Mit dem übrig bleibenden Rest, kann man sich dannn intensiver befassen, z.B. im Archiv der Deutschen Post.

Wenn man das denn machen will, so erfährt man schnell, dass es eine gelbe, eine blaue und eine graue Post gab, ich meine die Fahrzeuge.

Wie man erkannte parasitäre Abstrahlungen und deren Standorter peilt, kann man in jedem fast guten Fachbuch lesen, für die Erfassung aber brauchte man schon einige zentral gesteuerte und gelegene Objekte, denn mit einem Handscanner rannten die damals noch nicht rum.

Den Rest erledigte dann der KOntrolltrupp mit Fahrzeug, meist Barkas oder LO oder in der neueren Version W-50 Koffer.
Das Telefonbuch des postalischen Kreises Potsdam hätte Dir weitere Standorte gebracht.

Wer sich wie Moses nach 35 Jahren noch an die Dienstausweise dieser Einheiten erinnern kann, die auch noch englisch beschriftet waren, der hat meinen Respekt. Die Mitarbeiter, mit denen ich zu tun hatte, hatten deutsche Ausweise und auf denen stand ganz lapidar:
Deutsche Post Zentrale Meßstelle B.
GRüsse Hermann

Kindertag
11.04.2006, 19:12
Danke Hermann!

auf den Millimeter genau hätte es mich gar nicht interessiert. ich fand einfach den Unterschied zwischen den Bezeichnungen bemerkenswert.
Wenn es Anlagen der Post waren, sollten das doch auch heute noch Liegenschaften von dieser sein.
Das wäre schon schön, wenn man alle entsprechenden DDR-Telefonbücher hätte. Bei mir hat man aber nur das Berliner weggeworfen.

Bei der BStU etwas zu finden sollte aber erheblich mehr Aufwand erfordern als hier zu fragen. Zumal ich nicht so recht daran glaube, bei der BStU tatsächlich etwas zu finden, was Standorte der Post betrifft. Das die von der HA III drin sind ist nicht strittig.

KT

moses
11.04.2006, 22:42
Hallo Hermann,
folgende Anmerkungen:
- Betriebs-/Dienstausweise vom Angestellten der DP, also als solcher auch deutsch bedruckt/beschriftet aber mit Stempelaufdruck "radiocon" (ob groß oder klein, weiß ich nicht mehr, aber sehr wahrscheinlich mit "c")
- radiocon war für mich in der damaligen Zeit, als die deutsche Sprache noch nicht von "Anglismen" wimmelte bzw. neudeutsch ausgerichtet war, nicht unbedingt "westlich dekadent", zumal Funk russisch = "radio"
- Einheiten sollte nicht militärisch gemeint sein (sei denn Du weist mehr?)
- Arbeits-/Dienststelle, die ich angeführt habe, wurde als "Großfahner" bezeichnet (kann der Ort aber auch der Berg/Höhenzug sein)
- Karteneintrag (TK 50 VVS Stand Mitte 86) "Funkkotroll Betriebsstelle Südwest"
Soweit die mir (privat) bekannten Fakten (außer TK), strukturelle Zugehörigkeiten oder Zuordnungen kenne ich nicht, war auch nicht mein Fachgebiet bzw. Tätigkeitsbereich.
MfG moses

Hermann
13.04.2006, 17:53
Moses gerade hier liegt die Ursache des Irrtums. Großfahner = Bienstädter Warte war bis zur Auflösung des MfS eine Dienststelle des MfS. Erst danach kam die Post da rein, wie auch die ersten neuen Karten 1990 zeigten. Was isch nicht weis, ist die Tatsache, ob diese Diensstelle in den Aussenbeziehungen vor 1990 nicht getarnt als Diensstelle der Post zählte, d.h. aussen anderes Schild, innen MfS. Das Objekt gehörte aber zur HA III des MfS wie andere auch.
Die Originale Leitstelle ausserhalb Berlins war bis zur Ausserbetriebnahme der Einrichtungen schon immer seit Reichspostzeiten eine Post-Diensstelle und hatte daher auch reinen Post- Bezug. Die Ausweise dieser Diensstelle waren deutsch beschriftet, wie man noch bis vor einigen jahren an der Passierscheintafel beim Pförtner (Musterausweise) erkennen konnte. Möglicherweise reiste die Bienstätter Warte = Großfahner also unter fremder Falgge und legendierte sich auch so. Dazu kann ich nicht viel sagen, da ich diese Diensstelle nicht betreten habe. Für das Objket der Post bei T. war es so wie erläutert. Ansonsten lassen sich inzwischen über die Jahre die Besitzer fast aller Liegenschaft recht gut auseinander nehmen, dazu dient nicht nur Unterlagenmaterial der BSTU, sondern auch anderes Archivmaterial, wenn auch nicht immer gut sortiert.
Grüsse Hermann

Kindertag
13.04.2006, 19:15
Moses gerade hier liegt die Ursache des Irrtums. Großfahner = Bienstädter Warte war bis zur Auflösung des MfS eine Dienststelle des MfS. Erst danach kam die Post da rein, wie auch die ersten neuen Karten 1990 zeigten. Was isch nicht weis, ist die Tatsache, ob diese Diensstelle in den Aussenbeziehungen vor 1990 nicht getarnt als Diensstelle der Post zählte, d.h. aussen anderes Schild, innen MfS. Das Objekt gehörte aber zur HA III des MfS wie andere auch.

das hieße die dortigen MfS Mitarbeiter liefen in Postuniform :roll:

was sagen denn die Telefonbücher der entsprechenden Gegenden. Mich wundert außerdem, das es keine Informationen zu eventuellen Umfirmierungen von Posteinrichtugen gab.
Moses scheint mir somit recht glaubhaft. Auch wegen seines Hinweises auf Karten aus dem Jahre 1986!

KT

Hermann
14.04.2006, 10:45
KT,
moses hat sein Karte nicht veröffentlicht es gibt auf seiner wie auf jeder karte zwei Hinweise. Sachdatenbezug und Drucklegung. Es kann also Karten aus 1989 geben (Druck) mit den Sachdatenbestand von 1985. Damit ist die karte also uralt. Warten wir ab.
Fahren unter fremder Flagge war nicht ungewöhnlich, das taten alle GD.
Grüsse Hermann

Kindertag
14.04.2006, 20:26
KT,
moses hat sein Karte nicht veröffentlicht es gibt auf seiner wie auf jeder karte zwei Hinweise. Sachdatenbezug und Drucklegung. Es kann also Karten aus 1989 geben (Druck) mit den Sachdatenbestand von 1985. Damit ist die karte also uralt. Warten wir ab.
Fahren unter fremder Flagge war nicht ungewöhnlich, das taten alle GD.
Grüsse Hermann

dazu eine Bemerkung und eine Frage.
Die Bemerkung. Auch der Kartendruck 1989 mit Sachdaten aus 1985 würde bedeuten Infobestand aus Original-DDR Zeit.
Die Frage. Unter welcher Flagge fuhr man auf dem Objekt der HA III Großfahner/Bienstädter Warte?

KT

Hermann
14.04.2006, 21:58
Ask him:
Zivildienst-Datenbank
NABU-KV Erfurt e.V.
"Bienstädter Warte"
99100 "Bienstädter Warte" (Thüringen)

Tel. 03620 621976, Fax 03620 621977

Kindertag
17.04.2006, 17:04
Der Anfang des Amateurfunks erfolgte nur im Rahmen der GST. Weiter Suchen musst Du in Richtung GST, um mehr zu erfahren.
Gruss aus EE

auf einer Internetseite zum Amateurfunk in der DDR fand ich dazu folgenden Hinweis: Die politische Entwicklung in Deutschland ging aber am Amateurfunk nicht spurlos vorbei.
So gab es Verbote für 4X4 (Israel) und CE (Chile); der Nachrichteninhalt oblag ständiger
Kontrolle durch „RADIOCON“. Manchem OM (Funkamateur) musste bei Erhalt eines
blauen Briefes“ (Verwarnung) moralisch beigestanden werden.

gefunden unter: http://www.darc.de/distrikte/x/35/cronik.htm

Wobei sich selbstverständlich daraus nicht eindeutig ableiten läßt, ob die Kontrolle der Post unter dem Namen RADIOCON erfolgte oder der Verfasser des Beitrages diesen Begriff nur zur Erläuterung einführte.

KT

Hermann
17.04.2006, 20:58
Hallo KT,
ich werde einen ehemaligen der Anlage T fragen welche Ausweise in seiner Zeit gegenüber wem Gültigkeit hatten. In den Frequenzabkommen und CCITT Verhandlungen zu Nutzung international gebräuchlicher Funkbänder hatte die DDR gewisse Souveränität, d.g. sie konnte auch kontrollieren ob das auf eigener Seite eingehalten wurde. ich melde mich dazu zurück.
GRüsse Hermann

Kindertag
19.04.2006, 19:00
Hermann,

das wäre sehr nett.
Mir scheint es irgendwie sonderbar, das der Begriff RADIOCON in Bezug auf die DDR so schwer fassbar ist.

KT

moses
20.04.2006, 22:03
Hallo,
bin zwar noch bei weiteren Nachforschungen, aber inzwischen folgende Anmerkungen:
- TK 1:50 000 DDR Ausgabe 1988 Stand Mitte 1986 (hatte ich schon vermeldet) VVS, sicher "uralt", aber zur nachgeforschten Zeit passend
- wie bereits gesagt, Informationen beruhen auf privaten Kontakten/Informationen
- die Bezeichnung (Groß)fahner gibt es sowohl als Ortsnamen, als auch als Namensteil für Wald und Höhenzug; Bienstedt als Ort, "Bienstädter Warte" ist für mich nicht nachvollziehbar, da jedenfalls (auf meinem veraltetem Kartenmaterial) kein Bezug zu finden ist
- dei Bezeichnung "Funkkontroll-Betriebsstelle Südwest" befindet sich an 2 Objekten in ca. 2 km Entfernung, allerdings nur eine mit eingezeichneten Funkmasten
- Postuniform zur "Verschleierung" muss muss nicht unbedingt gewesen sein (ist mir in genannten Objekt jedenfalls nicht aufgefallen); die Angestellten der DP in der ÜSt im "Fuchsbau" trugen übrigens im täglichen Dienst auch keine, und die gehörten ja wohl nicht zur HA III
MfG moses

Bert
21.04.2006, 22:38
Hallo,

zur Bezeichnung Radiocon hier Auszüge aus dem Telex-Verzeichnis von 1973.

Grüße
Bert

Hermann
22.04.2006, 09:13
Hallo Bert, interessantes Dokument,
es belegt auch, dass es am Standort Bienstädt = Großfahner Höhe zwei Objekte gab, den Altbau der Post, erkennbar an dem braunen Klinkerbau aus den 50 er jahren und die neu gebaute Liegenschaft des MfS daneben. Der Standort selbst lag auf einer Anhöhe, war also gut geeignet. Die weitere Frage ist, wearum sich eines nun doch Radiocon nennt, während der bekannte Standort G und T sich so nicht nannten. Vielleicht eine Art Unterstellungsverhältnis. Das Telexverzeichnis gab es auch noch in englischer Version. In meiner Erinnerung befand sich das haupttelexamt in Berlin. Ob jeder Standort der Post auch sst am Telexverkehr auch international teilnehmen konnte weis ich nicht. Bleibt die Frage der bezeichnungsunterschiede für die Hauptstelle und für Südwest, die wohl nur ein beteiligter näher erläutern kann. Ich kann es nicht
Grüsse Hermann

Kindertag
22.04.2006, 12:15
womit wir ja fast wieder an der Ausgangsfragestellung angelangt sind:

sind eigentlich der Funkontroll- und Meßdienst der Deutschen Post und radiocon identisch gewesen. Oder war radiocon ein Teil des FuKMD?

denn radiocon gab es wohl, so wie das jetzt aussieht.

KT

Bert
22.04.2006, 12:27
Hallo Hermann, wo liegt T?

Hier noch die übrigen Standorte aus dem Telexverzeichnis:

M:
Deutsche Post, Funkkontroll- und Meßdienst, Radiocon Betriebsstelle Nord, 31212 fkmd dd

H (Sachsen):
Deutsche Post, Funkkontroll- und Meßdienst, Radiocon Betriebsstelle Südost, 512211 fukmd dd

Grüße
Bert

Kindertag
22.04.2006, 15:23
Bert,

danke für die schönen Informationen. Lasse mich für T mal raten: Treuenbrietzen. Nannte Hermann weiter vorne schon einmal.

KT

moses
24.04.2006, 20:31
Hallo Bert,
wofür stehen M und H? Ich habe da noch so eine Idee, dazu bräuchte ich aber die Ortsangaben, da ich nicht alle alten TK 50 der ehem. DDR duchforsten kann.
MfG moses

GBK-Puster
26.04.2006, 16:40
Hallo, ich will mal ein wenig Aufklärung betreiben.
RADICON und Funkkontroll- und Meßdienst der DP sind identisch! RADIOCON ist dabei die frühere Bezeichnung.
Richtig heißt das ganze Zentralamt für Funkkontroll- und Meßdienst (ZFK).
Der Hauptsitz war in Berlin-Köpenick.
Es gab die
- Außenstelle Nord (Häschendorf bei Rostock)
- Außenstelle Mitte (Glienick bei Zossen)
- Außenstelle Ost (Leipzig-Holzhausen)
- Außenstelle Süd (Bienenstädter Warte)
Weitere Dienststellen des ZFK waren in Beelitz (Kaderabteilung) Funksendestelle in Schönefeld bei Beelitz und Meßgruppen (Golm bei Potsdam)

Zu den Aufgaben des ZFK wurde schon einiges gesagt. Dazu kamen Frequenz- und Leistungsmessungen der Sendeanlagen der Funkämter der DP (Radio MW, LW, UKW) Fernsehen und der allgemeine kommerzieller Funk (BOS, Amateurfunk, Seefunk)
Ebenfalls wurden alle internationalen Sendestationen des Ferseh- und Rundfunks (soweit sie empfangbar waren) eingemessen und überprüft.

In der Wendezeit wurden die nachrichten-technischen Dienststellen des ehem MfS (AfNS) übernommen und aufgelöst.

1990 wurde dann der Funkkontroll- und Meßdienst in das Bundesamt für Post und Telekommunikation (BAPT) eingegliedert.

Ich hoffe, daß ich damit einiges zur Aufklärung beigetragen habe.

Kindertag
26.04.2006, 19:03
GBK-Puster,

da hast du mir eine Riesenfreude gemacht!!!!

Im Telefonbuch von 1989 habe ich noch eine Adresse entdeckt:

Fernsprechamt Berlin
....
....
Funkkontroll- und Meßdienst
1020 Klosterstraße 44 ..........2 12 51 01

KT

GBK-Puster
26.04.2006, 20:22
Der Funkkontroll- und Meßdienst in der Klosterstraße hatte nichts mit dem ZFK zu. Die Namensgebung ist aber schon irreführend, gebe ich zu. Die Kollegen hatten sich mit technischen Neuerungen auf dem Gebiet der Funkkontroll- und meßgeräte zu beschäftigen, waren also weniger für den technischen Dienst zustänidg.

Bert
27.04.2006, 21:07
@moses:

H: Holzhausen
M: Mönchhagen (liegt bei Häschendorf)

Bert

Kindertag
27.04.2006, 21:23
1990 wurde dann der Funkkontroll- und Meßdienst in das Bundesamt für Post und Telekommunikation (BAPT) eingegliedert.


und bestehen die Objekte an alten Standorten noch. Oder kann man da noch Reste sehen. Oder ist das inzwischen alles beräumt?

KT

Hermann
28.04.2006, 18:02
Hallo GBK,
ZFK steht auch auf auf dem Ausweis der Truppe in einem Museum ausgestellt. Zur Frage der Technik sei gesagt, daß bei TB noch ein Amt steht, wo die Masten noch erhalten sind, Technik ist allerdings lange weg. Für KT auf Wunsch die Koordinate als PM.
Mit den Anlagen war sicher gut arbeiten.
Danke für die Richtigstellung. Grüsse Hermann

Kindertag
29.04.2006, 14:09
Für KT auf Wunsch die Koordinate als PM.


Wunsch ist vorhanden!

KT

Hermann
29.04.2006, 20:49
Hallo KT,
wir beteiligen die Mitleser mit. PM ist abgegangen.
Grüsse Hermann

hardihase
23.05.2006, 20:53
Diese Postkarte besitze ich nicht mehr und ich hatte vergessen die Rückseite auch zu knipsen .Ist bekannt ob dieser Turm noch steht irgendwo im Kyffhäuser Land und hat er was mit diesem Thema zu tun?

Er ist ja Baugleich mit den Türmen bei Glienick und Petkus

Raspor552
27.05.2006, 13:16
... Ist bekannt ob dieser Turm noch steht irgendwo im Kyffhäuser Land ...

Yeep, steht noch.
Falls Bedarf besteht ... aktuelle Bilder habe ich. Nur wo :?

Raspor552

Hermann
28.05.2006, 17:48
Hallo Hardihase,

bei dem Objekt handelt es sich um einen Richtfunktypturm der DeuPo, wie er auch um Berlin herum oder bei Petkus errichtet wurde. Dieser Turm steht noch, der bei Oschatz sollte bereits abgerissen sein.

GRüsse Hermann

Waldwichtel
28.05.2006, 20:33
@ Hermann


Hallo Hardihase,
bei dem Objekt handelt es sich um einen Richtfunktypturm der DeuPo, wie er auch um Berlin herum oder bei Petkus errichtet wurde. Dieser Turm steht noch, der bei Oschatz sollte bereits abgerissen sein.
GRüsse Hermann

Hier mal ein Foto, wo noch alle drei Türme standen.
Auf der kmz ist der neue Turm noch nicht drauf.

hardihase
28.05.2006, 21:38
Ist es so zu verstehen,das der Richtfunkturm Glienick ,als einziger von vielen ,von dem FukMD mit genutzt wurde? Meine Frage deshalb,weil der Standort Glienick als Außenstelle des FukMD ,unter anderen in diesem Thema ,mit erwähnt wurde.

Und sind die genannten Richtfunktürme alle der Deutschen Post ,als Eigentümer zuzuordnen ?

Unter diesem Link
http://www.bunkernetzwerk.de/nuke/modules.php?op=modload&name=news&file=article&sid=29
im Bunkernetzwerk sind Richtfunktürme der Post anderen Bautyps aufgeführt.
Ist anzunehmen ,das sich der Bautyp nach dem Standort richtete?Also geographischer Höhe des Standortes bzw. der Höhenhindernissüberwindung der Richtfunkstrecke?

Viele Fragen von mir,ein Versuch das ganze besser zu verstehen

Hermann
28.05.2006, 22:23
Hardihase,

die gezeigten Turmbauten waren Typbauprojekte der Deutschen POst. Die im Forum genannten A und B- Türme waren auch Richtfunktürme der Post, teilweise aber früher für das Netz der SED genutzt,, als es in etlöiche Ecken der DDR noch keine ausreichend leistungsfähigen Fernmeldetrassen gab. Die von der DRP übernommenen Kabel waren zum Teil nur mit 108 kHz oder 252 kHz als Grenzfrequenz nutzbar und in bestimmte Bezirke, die vor 1953 keine postalisch große Bedeutung hatten (Gera, Suhl etc.) gab es zu wenig Fernmeldekapazität. Daher baute die SED zu ihren KL und BL ein Richtfunknetz auf, über welches Gespräche u.a. Informationen liefen. Erst als die Kabelausbauten nach und nach an Schwung gewannen wurde dieses Netz als eigenständiges Netz aufgegeben und teilweise an die NVA übergeben. Auf Grund eines Ministerratsbeschlusses wurden diese Richjtfunkstellen später an die Post übergeben und von dieser betrieben. Für die posteigenen Leistungsfähigen Ferntrassen nach Nord und Süd wurden hingegen die Rundtürme errichtet. Der Trassenverlauf ist in der CD von Ovberst Kampe dargestellt. Der genannte Turm in G. sollte aber neben Postaufgaben auch füpr die damalige fernsehbandumsetzung zuständig sein. Weil dieser Zweck in der fortschreitenden Entwicklung später entfiel nutzte man den Turm nun anders. Was da heute noich drin ist, würde mich interessieren, dürfte aber nicht so leicht zu ermitteln sein. Oder kennst Du den Eigentümer/ Nutzer genau?

Durch die Verlegung von leistungsfähigen Ferntrassen über Glasfaserkabel nach 1990 sind viele Richtfunkknoten im Raster 45-55 km ohne Funktiuon oder betreuen nur noch wenige Richtungen, weil die Unterhaltungs sehr teuer ist und die Glasfasertrassen leistungsfähiger sind. Ca. 10 % der Türme sollen noch in Funktion sein.

Der Turm KYF ist also ein origonärer Postturm, die viereckigen Typturme A, B, C Türme hatten ursprünglich einen anderen Zweck und kamen erst spät zur Post (zurück).

Grüsse Hermann

hardihase
28.05.2006, 23:22
Danke für die zusammenhängende Erklärung ,werde ,nach meinen Möglichkeiten,zu den jetzigen Eigentumsverhältnissen mal recherchieren.
und ggf.mitteilen

Hermann
29.05.2006, 17:15
Hallo Hardihase, in meiner Erinnerung wurde der Bereich Richtfunk 1996 in einen eigenen Unternehmensbereich überführt. Ich hatte mal an verschiedenen Stellen versucht so einen runden Typtum zu besuchen, aber bei den aktiven führte kein Weg hinein, bei den inaktiven waren andere zuständig.. Vielleicht hast Du ja mehr Glück.
Grüsse Hermann

Waldwichtel
30.05.2006, 14:14
Hier mal solch ein runder Turm (Oschatz/Collm) von innen.

www.sachsen-stellwerke.de/gleisbild/gs-post.htm

Gehört zwar nicht unbedingt hier her, aber ein interessanter Link und schöne alte Fotos.

www.dreenkroegen.de/funkamt/

Roland F.
31.05.2006, 02:11
Danke für die zusammenhängende Erklärung ,werde ,nach meinen Möglichkeiten,zu den jetzigen Eigentumsverhältnissen mal recherchieren.
und ggf.mitteilen

@hardihase

Habe eine Recherche über den jetzigen Eigentümer bereits vorgenommen. Verwaltet wird die Immoblilie in Glienick von der RegTP. Ich habe auch Kontakt aufgenommen wegen eines Besichtigungstermins, um den Turm mal von unten bis oben in Augenschein zu nehmen. Die Chancen stehen günstig. Aber bitte jetzt nicht bei den Herren in Berlin das Telefon heissklingeln lassen.
Wie gesagt, wir sind am verhandeln, wenn wir Nägel mit Köpfen haben werde ich es im Forum bekannt geben und es wird einen Besichtigungstermin geben.

Viele Grüße
Roland

hardihase
31.05.2006, 20:27
Besten Dank Roland,Ergebnisse wären bei meinem jetzigen Arbeitsstress nicht so schnell heraus gekommen.Der beste Termin wäre ein WE,aber das wichtigste es klappt

Hermann
01.06.2006, 17:03
Hallo Roland,

bitte nicht nur besichtigen und Bildchen machen, auch mal bitte Fragen nach Baudaten, Bautechnologie, Fotos aus der Zeit und Technik die in der Nutzung da drin stand und vielleicht ob auch Fotos aus der Betriebszeit existieren. Das wäre schon spannend, ich kenne bisher keine Seite die so etwas hätte, vielleicht öffnet es ja die Herzen der Postler.

Grüsse Hermann

Roland F.
01.06.2006, 19:31
Hallo Hermann,

wenn die Besichtigung genehmigt wird, hoffe ich doch das man uns einen fachlich kompetenten Führer zur Verfügung stellen wird.
Danke für die Anregung, ich werde diesbezüglich nochmal nachfragen.

Viele Grüße
Roland

Hermann
02.06.2006, 17:49
Roland,

meistens sind die Führenden in den Objekten die Hausmeister, das ist nicht problematisch an sich, aber meist können sie auf die Fachfragen nicht antworten, weil sie es zum Teil nicht wissen, daher beim Rundgang auf alte Wandzeitungen, Ecvakuierungspläne, Beschreibungen etc. achten, denn oft hat man nur eine Chance der Begehung, wer will als Eigentümer schon Massen abfertigen...

Vielleicht kommt ihr ja einen Schritt weiter.

GRüsse Hermann

Bollerfritze
16.08.2006, 09:38
… hier einige Impressionen von der Funkmesskontrollstelle bei Leipzig Dienstelle SO
Das Gelände und die Anlagen werden derzeit noch genutzt.
Beste Grüße

Wolfgang
06.09.2006, 22:23
Hallo Bollerfritze

Sehr schöne Fotos. Die Antennenanlagen entsprechen eigentlich denen der HA III. Von Interesse wäre ob die Bilder noch vor der Wende entstanden sind, oder ob sich die Antennenträger noch dort befinden. Wäre auch an einer genauen Ortsangabe interessiert.
Den Standort Bienstädter Warte hat sich meines Wissens die DP/radiocon und die HA III (Stützpunkt "Wespe") geteilt.

Wolfgang

Bollerfritze
06.09.2006, 22:49
Hallo Wolfgang,
die Bilder sind am 04.05.2005 entstanden. Ich bin vor kurzem über die A 14 Richtung Dresden gefahren und da waren die Antennen noch zu sehen.
Hast eine PN, evtl. hast Du weitergehende Infos zu den Antennen(träger) auf Bild 4.

Beste Grüße

Wolfgang
07.09.2006, 11:25
Zu den Antennen(träger).
Bei dem Antennenträger in T-Form handelt es sich um ein HTS 2094. Diesen gab es auch mit aufgesetzten Kugelradom. Die "Zigarren" gehören verm. zum Mastsystem 2034. Was nicht ganz klar ist, für dieses Mastsystem gab es unterschiedlich angebaute Antennen, ob es da auch unterschiedliche Nummern gab weiß ich nicht.
Schöne Bilder dazu auch bei
www.manfred-bischoff.de

Gruß Wolfgang

Bollerfritze
07.09.2006, 20:48
Hallo Wolfgang,
besten Dank für die interessanten Infos.

Beste Grüße

Wolfgang
11.09.2006, 18:22
Hallo Kindertag

Zum älteren grauen DDR-Gerät mit Linearskala. Hierbei könnte es sich um den UKW-Empfänger 2025 handeln. Frequenzbereich 30 bis 300 MHz, mit Konverter auch höher. Soweit mir bekannt wurde dieses Gerät sowohl in der HA III als auch bei RADIOCON eingesetzt. Auf Grund dessen kann man auch nicht ausschließen das die gleichen Antennensysteme eingesetzt wurden (wie ev. Leipzig-Holzhausen). Ich habe mal ein Bild angehangen, vielleicht erkennst Du ihn (Wenn man genau hinschaut könnte das Abziehbild mit RADIOCON beschriftet sein). Bin übrigens auch an den Koordinaten der anderen Standorte des Funkkontroll- und Meßdienstes interessiert.

Wolfgang

Kindertag
18.09.2006, 19:57
Hallo Wolfgang,

interessantes Gerät. Scheint aber nicht mehr im Originalzustand zu sein. Die Buchsen unten rechts, sehen aus wie nachträglich reingebastelt.

Bis wann waren diese Geräte im Einsatz? Und wer hat sie gebaut?

KT

Wolfgang
19.09.2006, 20:17
Der Empfänger hatte im Originalzustand dort 2 Reihen a 4 Buchsen für Bananenstecker. Über den Zeitraum würde ich sagen das die Geräte bis ca. Ende der 70er im Einsatz waren. Sie sollen im Funkwerk Köpenick gebaut worden sein, habe ich aber nur gehört.
Über die Standorte des Funkkontroll- und Meßdienstes wurde ja schon einiges geschrieben, aber vielleicht hat jemand noch die genauen Standorte, kann auch als PN rüberkommen, würde mich sehr interessieren.

Wolfgang

Wolfgang
25.09.2006, 21:52
Möchte noch eine Frage aufwerfen da hier der Name Treuenbrietzen fiel im Zusammenhang mit der Überwachung des Amateurfunks. Es bleibt offen ob dieser Standort auch RADIOCON zuzuordnen ist. In Unterlagen der HA III über Partner des operativen Zusammenwirkens sind zwar die anderen Standorte genannt, dieser aber nicht.

Wolfgang

Hermann
26.09.2006, 08:28
Wolfgang,
die Aussage stammt von einem eEhemaligen dort, was die sonst noch gemacht haben weis ich leider nicht, auf einigen Resttabellen zu überwachender Bereiche war auch der Bereich Amateurfunk genannt, allerdings ohne weitere Angaben. Das Objekt selbst ist aber Posteigentum.
Grüsse Hermann

jani
02.11.2006, 19:56
… hier einige Impressionen von der Funkmesskontrollstelle bei Leipzig Dienstelle SO
Das Gelände und die Anlagen werden derzeit noch genutzt.
Beste Grüße

Hallo.Unterstanden die Fahrer des Radiocon in Holzhausen auch dem MfS,oder waren sie reine Zivilangestellte?Gruß,jani

thommy_berlin
02.11.2006, 21:57
Hat dieser Standort auch etwas mit Radicon zu tun?

Wolfgang
03.11.2006, 22:26
Die Frage wird aufgeworfen ob die Kraftfahrer auch dem MfS unterstanden. So weit mir bekannt unterstand RADIOCON der Post und nicht dem MfS, warum sollten es dann die Kraftfahrer sein. Die kmz Datei konnte ich leider nicht öffnen. Bitte Koordinaten oder eine neue Datei.

Wolfgang

thommy_berlin
03.11.2006, 22:58
Sorry,

werde als Laie die Profi's nicht weiter stören.

Wenn der Admin Zeit hat, kann er die Beiträge löschen. Sollte die Löschtaste auch bei meinem Acount "jucken", ist auch nicht so schlimm und kein Verlust.

Thomas

Bollerfritze
03.11.2006, 23:22
Sorry,

werde als Laie die Profi's nicht weiter stören.

Wenn der Admin Zeit hat, kann er die Beiträge löschen. Sollte die Löschtaste auch bei meinem Acount "jucken", ist auch nicht so schlimm und kein Verlust.

Thomas

... bist ja richtig gut drauf, da die KMZ Datei nicht funktioniert kann man nur erahnen was Du meinst, ich glaube das Objekt wurde schon mal behandelt.

http://www.hidden-places.net/forum/showthread.php?p=21724#post21724

Beste Grüße

Wolfgang
04.11.2006, 14:19
Hallo Thommy

Bin mit meinen 6 Beiträgen nicht gerade ein Profi. Bei mir ging die Datei nicht, habe mich vielleicht auch nur zu blöd angestellt. Aber wenn ich den Standort nicht kenne, kann ich mich dazu auch nicht äußern. Wollte jedenfalls niemanden vergraulen. Bin ja selbst für jede Information dankbar.

Tschüß Wolfgang

hardihase
05.11.2006, 18:30
Zum Standort gab es hir auch schon mal einige Infos:

http://www.lostplaces.de/forum/viewtopic.php?t=8722&highlight=habichtsberg


Im Best´schen Buch,1.Auflage, S.126, ist der Standort als wichtige Fernmeldeanlage in die LSK/LV mit erwähnt.Kann jemand erklären in wie weit diese Anlage im Richtfunknetz einzuordnen ist.Die Bezeichnung Hauptrichtfunkzentrale(HptRifuZ) läßt ja viel hinein interpretieren.Steht diese Einrichtung in unmittelbaren Zusammenhang mit den A,-und B-Türmen, in der NVA genutzten Zeitphase ?

Hermann
05.11.2006, 23:36
Hardihase,
der Standort war der Hauptverteilerknoten, wie die -2 schon sagt.
Eingeweihte nannten es auch Üb-1. Der rest ist nicht mit einem Satz erklärt, da es zu verschiedenen Zeiten wachsende Konzepte gab, aber der Hinweis zu den ABC Türmen ist schon richtig.
Zumindest wurde hier die Nord/ Süd Achse verteilt, maßgbelich wichtig waren auch die Bereichsrichtfunkzentralen Keulenberg und Machern, siehe auch Dr. Ing. Paduch .aa.O.
GRüsse Hermann

Anatec
02.01.2007, 23:34
Hallo alle zusammen,
Meine Informationen, RDIOCON wie > RadioControll< , war immer eine Dienststelle der Deutschen Post und hatte weder mit MfS noch der Armee was zu tun. Ihr habt ja schon fast alles herausgefunden. RADIOCON war nicht geheim und hat auch nicht abgehört. Die Dienststelle hat in erster Linie die Qualität und Frequenztreue der DDR Sender überwacht und in zweiter Linie natürlich auch "Schwarzsender" und Störquellen gesucht. Demzufolge wurden von RADIOCON auch "Frequenzüberschreitungen" der Amateurfunker bei einem Ausrutscher reklamiert und bei Wiederholung kostenpflichtig geahndet. Da auch die DDR Mitglied im CCIR war mußte sie solch eine Behörde haben, um die Einhaltung der Regularien zu garantieren.
Noch eine kleine Anmerkung. Der Fernmeldestandort "Holzhausen" bei Leipzig hatte und hat nix mit RADIOCON zu tun. RADIOCON Leipzig hatte mehrere Standorte um LE verteilt, unter anderem in Engelsdorf, das ist 3km von Holzhausen weg. Holzhausen war und ist ein Trägerfrequenzknoten. Der zu DDR Zeiten benutzte Richtfunkturm (Stahlgittermast) war eine reine Telefonrichtfunkstrecke nach Berlin - Turm. Über die heutigen Aufgaben des neuen Betonmastes bin ich allerdings nicht mehr informiert. Allein die durch ihn in seiner Umgebung hervorgerufenen Störungen im Kabel TV lassen auf beachtliche Sendeleistungen schlußfolgern.

73 Gerd H

Bollerfritze
03.01.2007, 00:04
Hallo Anatec,
mit Standort Holzhausen war eigentlich grob der Standort RADIOCON Kleinpösna gemeint http://www.hidden-places.net/forum/showthread.php?t=166
Kärrnerweg: der von der genannte Richfunk Fernmeldestandort Holzhausen mit Betonmast...

Beste Grüße

Anatec
03.01.2007, 00:13
mit Standort Holzhausen war eigentlich grob der Standort RADIOCON Kleinpösna gemeint
:grin: fein, ist ja nur, das "Holzdorf TF" nicht mit RADIOCON in einen Topf geworfen wird. Die Deutsche Post hat ihre Dienststellen immer hübsch auseinader gehalten. Das merkte man schon daran, das das Betreten "fremder" Dienststellen trotz vieler bunten Sonderstempel im Ausweis jedesmal ein "Verwaltungsakt", wenn nicht gar unmöglich war.

73 Gerd H

jani
03.01.2007, 19:27
mit Standort Holzhausen war eigentlich grob der Standort RADIOCON Kleinpösna gemeint

Hallo.Ist bei dem besagten Objekt bei Holzhausen nicht auch ein Teich nebenan?Dort gingen die Angestellten,die im Objekt wohnten,an warmen Tagen ihrem Badespaß nach.
MfG,jani

Bollerfritze
03.01.2007, 19:43
mit Standort Holzhausen war eigentlich grob der Standort RADIOCON Kleinpösna gemeint

Hallo.Ist bei dem besagten Objekt bei Holzhausen nicht auch ein Teich nebenan?Dort gingen die Angestellten,die im Objekt wohnten,an warmen Tagen ihrem Badespaß nach.
MfG,jani

Ja das stimmt, auch kollektives Nacktbaden? :-P :-P

jani
05.01.2007, 20:42
Ja das stimmt, auch kollektives Nacktbaden? :-P :-P

Leider lebt von den Badegästen kaum noch jemand.

Bollerfritze
05.01.2007, 21:52
Leider lebt von den Badegästen kaum noch jemand.

Wieso das?

jani
06.01.2007, 21:29
Wieso das?

Das im Objekt befindliche Wohnhaus wurde von zwei Familien bewohnt,davon ist die ältere Generation verstorben.

Entdecker
26.01.2007, 15:48
Das Wohnhaus ist aber schon längeré Zeit als Bürogebäude genutzt worden.

Bollerfritze
26.01.2007, 15:56
Wie was nun Büro- und oder Wohngebäude... und heute ein Vereinsgebäude?

Beste Grüße

Entdecker
26.01.2007, 17:33
Meines Wissens nach steht das gesamte Objekt leer..

Bollerfritze
26.01.2007, 19:10
Meines Wissens nach steht das gesamte Objekt leer..
Na vor kurzem sah es noch anders aus, auch die Grünanlagen sprechen da eine andere Sprache - evtl. kann man aus dem Schnee genaueres lesen.
Beste Grüße

Robert am Huy
26.01.2007, 19:34
aha grüner schnee.:mrgreen: so so....

gruß robert am huy

Bollerfritze
26.01.2007, 20:08
aha grüner schnee.:mrgreen: so so....

gruß robert am huy

Hallo Robert nicht nur am Huy sondern auch wir im flachen Land stecken mittlerweile bis Oberkannte Bauchnabel im Schnee...oder so ähnlich :roll:

volker
12.02.2007, 18:11
Richtig heißt das ganze Zentralamt für Funkkontroll- und Meßdienst (ZFK).
Der Hauptsitz war in Berlin-Köpenick.
Es gab die
- Außenstelle Nord (Häschendorf bei Rostock)
- Außenstelle Mitte (Glienick bei Zossen)
- Außenstelle Ost (Leipzig-Holzhausen)
- Außenstelle Süd (Bienenstädter Warte)
Weitere Dienststellen des ZFK waren in Beelitz (Kaderabteilung) Funksendestelle in Schönefeld bei Beelitz und Meßgruppen (Golm bei Potsdam)


um das zu ergänzen:
Funküberwachungsstellen des MPF:
- Lugstein
- Neubrandenburg
- Magdeburg

Funkpeilstellen des MPF:
- Langenhanshagen
- Markersdorf
- Bienstädt

Volker

volker
21.02.2008, 12:40
mal was literarisches zu radiocon. Gerhard Block schreibt in seinem Buch "Verraten und Verkauft" (ISBN 3865570100, erschienen bei Nora http://www.nora-verlag.de/ ) etwas über radiocon. Der Autor war von 1971 bis 1983 Abteilungsleiter Arbeit und Löhne in Beelitz. Vom Umfang her nicht zu viel erwarten - der Abschnitt radiocon umfasst nur 5 Seiten.

Volker

Hermann
21.02.2008, 14:57
Volker
danke für das ordnende nachlegen. Bei Beelitz war vermutlich nicht nur die Kaderabteilung wenn ich mich an meine Vorbeifahrten erinnere, standen da auch drei Masten und es gab im Haus erheblich Technik.
Grüsse Hermann

gekothy
16.11.2012, 13:50
Bin erst heute auf diese Fragen gestoßen. Da es so lange her ist, kann ich nur anbieten, zum Thema etwas genaueres zu sagen, da ich ein paar Jahre (1978-1984) bei RADIOCON gearbeitet habe. Vielleicht gibt es ja noch Interesse.

Frank K.
16.11.2012, 14:55
Ja natürlich, warum denn nicht. Und sei Willkommen hier in unserer Runde !

Grüße Frank

gekothy
16.11.2012, 16:12
Danke Frank.
kurz zur Vorgeschichte. Ich war Funker bei der DDR-Küstenfunkstelle Rügenradio (Arbeitgeber Deutsche Post). Aufgrund des Wohnungsmangels auf Rügen, konnte ich 1978 mit einem Änderungsvertrag (und Wohnung) nach Glienick wechseln zu Radiocon (AG Radiocon - Funkkontroll- und Messdienst Beelitz Mark). Ich schätze, um 1980 herum wurde dann daraus das Zentralamt für Funkkontroll- und Messdienst (ZFK), Betriebsstelle Mitte (Glienick).
Radiocon war also definitiv Deutsche Post, aber auch politisch wirksam (da komme ich noch drauf).
Wörtlich laut AV die Tätigkeit:
Ordnungsgemäße Durchführung der Mess- und Kontrolltätigkeit im operativen und stationären Dienst sowie Pflege und Wartung der technischen Einrichtungen bzw. Ausführung von kleineren Reparaturen. Anfangs nicht (Funker) war später die Voraussetzung ein Abschluss (Ing. für Geräte und Anlagen der Nachrichtentechnik an der Ingenieurschule für Maschinenbau und Elektrotechnik Berlin).

Was wurde konkret gemacht:
operativ: Aufspüren von Störsignalen beim TV- und Radioempfang, Suche von ''Schwarzsendern''
stationär:
1. Messung und Korrektur der Sendefrequenzen der DDR-Sender (also zurückholen auf die exakte Sendefrequenz, die Abweichungen waren zum Teil extrem - veraltete Technik). Zur Anwendung kam eine alte, aber sehr zuverlässige Anlage von Rhode & Schwarz. Natürlich gehörten dazu auch der Soldatensender 935 und der Freiheitssender 904, schlicht DDR-Sender mit Westtarnung, Standort Burg bei Magdeburg.

2. Abhören der Mittel- und Kurzwellenbänder und Aufzeichnung, welche Sender mit welcher Stärke (subjektiv nach Zensurenprinzip) zu empfangen waren.

3. Überwachung des Funkverkehrs, einschließlich der Amateurfunker. Alle ''Besonderheiten'' mussten gemeldet werden. Klar gehörten dazu politische Diskussionen, DDR- oder BRD-Kritik, aber auch harmlose Äußerungen, wie z.B. dass es wieder mal keine Tomaten oder Gurken gibt oder die Apfelsinen zu Weihnachten in grottenschlechter Qualität zu bekommen sind. Jetzt die Verbindung zur Stasi - es gab an jedem Arbeitsplatz ein schwarzes Telefon mit einer Direktverbindung zur Stasi (keiner stellte sich vor, es wurden ''nur'' die ''Vorkommnisse'' aufgenommen. Dort wurden insbesondere politische Sachverhalte gemeldet, das Beispiel Gurken etc. wurde ''nur'' in der Kladde vermerkt. Noch heute schäme ich mich für diese Arbeit, aber damals war das für mich normal.
Überprüft wurden natürlich auch Regeln, wie z.B. die regelmäßige Nennung des Rufzeichens.
Alles wurde per Kladde schriftlich aufgezeichnet, obwohl, gerade in der Nachtzeit schon mal bis zum Morgen ''vorgeschrieben'' wurde, da nachts eh immer der gleiche Funkverkehr zu hören war.

4. Feldstärkemessungen in einem seperatem kleinen Gebäude in der Nähe des Turmes Glienick, um Beeinflussungen durch die Antennenanlagen auf dem Turm auszuschließen (umgangssprachlich Feldstärke genannt - heute glaube ich ist es der Jugendclub von Glienick).

Die Glienicker Einrichtung hatte eine eigene Verwaltung mit dem üblichen Personal (Dienststellenleiter, Leiter operative Dienste, Sekretärin, Buchhaltung, Pförtner, Schichtleiter und als Mitarbeiter die ''Funker'', später Messingenieure genannt). Schätzungsweise waren ca. 25-30 Mitarbeiter beschäftigt. In Beelitz saß die Zentrale, verantwortlich für alle operativen und stationären Messstellen.

Ich habe die Arbeit 1984 aufgegeben, da sie für mich langweilig geworden war, eine politische Einsicht hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, kurze Zeit später mit Gorbatschow änderte sich das auch bei mir.
So, ich hoffe, ein paar Fragen zu diesem Thema beantwortet zu haben. Hoffentlich nicht zu lang, danke fürs Lesen.

Rock30
16.11.2012, 22:27
Hallo gekothy,

Danke für den kurzen Ausschnitt zur Tätigkeit über und bei Radiocon.
Sie liest sich doch etwas spannend und doch nicht alltäglich. Natürlich ist es
für einen Außenstehenden der nicht wie Du jeden Tag die Frequenzbänder rauf
und runter anhören musste, spannend und interessant.
Und, willkommen im Forum

Frank K.
17.11.2012, 17:51
Wir danken dir für diese Informationen offenbar aus erster Hand. Im Buschfunk ist zu hören, daß sich damit beschäftigt wird. Es werden sicher dazu noch Fragen auftauchen. Noch was ganz Anderes :joyous: »»


kurz zur Vorgeschichte. Ich war Funker bei der DDR-Küstenfunkstelle Rügenradio (Arbeitgeber Deutsche Post) ...

Wir hatten uns vor einiger Zeit mit dem ehemaligen Projekt des Durchstichs am Jasmunder Bodden zur See hin beschäftigt. Rügenradio lag direkt am vorgesehen Kanal. Kannst du dazu auch etwas beitragen ? Siehe »

http://forum.hidden-places.de/showthread.php/5263-Projekt-Rügenhafen?highlight=r%FCgen

Wenn ja, dann bitte im dortigen Thread.

Grüße Frank

gekothy
17.11.2012, 20:39
Wir hatten uns vor einiger Zeit mit dem ehemaligen Projekt des Durchstichs am Jasmunder Bodden zur See hin beschäftigt. Rügenradio lag direkt am vorgesehen Kanal. Kannst du dazu auch etwas beitragen ?
Grüße Frank
Ja Frank, das kann ich ganz kurz machen. Ich war direkt nur ein Dreivierteljahr bei Rügenradio und habe dann das Großfunkzeugnis (1 Jahr) auf dem so genannten Funkerberg in Königswusterhausen gemacht. Danach der Wechsel zu RADIOCON. Von dem diskutierten Projekt Jasmunder Bodden habe ich noch nie etwas gehört.
Danke und viele Grüße
Gert

yogi
23.11.2012, 17:53
@gekothy

Vielen Dank für die interessanten Einblicke in Deiner damaligen Arbeit. Nur das mit der STASI find ich dann doch eher etwas unappetitlich, aber im Nachgang siehst Du das ja ebendso.

Ich glaube jeder damalige Postler insbesondere im Fernmeldedienst, als auch im DV-Betrieb, hatte wohl in irgendeiner Form Berührungen egal welcher Art, mit der Organisation. Bei mir hielt sich das "Gott sei Dank" extremst in Grenzen. Ich wollt mit dem Verein nichts, bzw. nur so wenig wie möglich zu tun haben und so habe ich auch kein schlechtes Gewissen.

MfG. Yogi

gekothy
23.11.2012, 18:25
@gekothy

Vielen Dank für die interessanten Einblicke in Deiner damaligen Arbeit. Nur das mit der STASI find ich dann doch eher etwas unappetitlich, aber im Nachgang siehst Du das ja ebendso.

Ich glaube jeder damalige Postler insbesondere im Fernmeldedienst, als auch im DV-Betrieb, hatte wohl in irgendeiner Form Berührungen egal welcher Art, mit der Organisation. Bei mir hielt sich das "Gott sei Dank" extremst in Grenzen. Ich wollt mit dem Verein nichts, bzw. nur so wenig wie möglich zu tun haben und so habe ich auch kein schlechtes Gewissen.

MfG. Yogi

Ja, da hast du wohl Recht. Ich war der typische Mitläufer, aber heute genieße ich jeden Tag in diesem System, bin viel kritischer, konsequenter und entschlossener geworden. Ein Nachtrauern über die "guten alten Zeiten" gibt es bei mir nicht und ich bin so dankbar, heute in Freiheit leben zu können. Es war das Beste, was mir im Leben passieren konnte. Viele Grüße gekothy.

Brandenburg
10.07.2014, 08:56
Ja, Hallo,
Ich bin hier gelandet weil auch bei mir auf dem Gerätetyp 2025 eben "Radiocon" vermerkt ist, vielleicht hat noch jemand eine Idee dazu, das wäre sehr nett.
Mein Gerät hat Kondensatoren mit Aufschrift 69 bzw 72 als Baujahr

MfG
anmerkung - gekothy habe ich schon angeschrieben, mal sehen ob er sich meldet

91347

Brandenburg
02.09.2014, 22:12
Der Empfänger hatte im Originalzustand dort 2 Reihen a 4 Buchsen für Bananenstecker. Über den Zeitraum würde ich sagen das die Geräte bis ca. Ende der 70er im Einsatz waren. Sie sollen im Funkwerk Köpenick gebaut worden sein, habe ich aber nur gehört.
Über die Standorte des Funkkontroll- und Meßdienstes wurde ja schon einiges geschrieben, aber vielleicht hat jemand noch die genauen Standorte, kann auch als PN rüberkommen, würde mich sehr interessieren.

Wolfgang

hier in dieser pdf sind einige angaben auch der einsatz gegen die solidarnocs in den achtzigern sowie an der grenze der cssr zu bayern und es sind auch stützpunkte in der ddr erkennbar dargestellt

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publikationen/Publikationen/handbuch_HA-III_schmidt.pdf?__blob=publicationFile

yogi
29.09.2014, 13:31
hier in dieser pdf sind einige angaben auch der einsatz gegen die solidarnocs in den achtzigern sowie an der grenze der cssr zu bayern und es sind auch stützpunkte in der ddr erkennbar dargestellt
Das ja ne interessanter Linkverweis - Danke!

Brandenburg
30.09.2014, 23:08
Das ja ne interessanter Linkverweis - Danke!

Hallo,
Bist Du OM oder interessierst Du Dich nur für die Standorte?

yogi
03.10.2014, 12:31
Hallo,
Bist Du OM oder interessierst Du Dich nur für die Standorte?
Was bin ich? (O)M und (I)M liegen auf der Tastatur dicht beieinander, aber haben eine völlig unterschiedliche Bedeutung, gerade in solch einem Forum wie hier. Falls wirklich OM meinst, aus dem (Amateur)Funkgebrauch abgeleitet, nein eher weniger, hab mich aber mit beschäftigt. Mit IM hab ich rein gar nichst zu tun (gehabt). Nicht das es da zu Missverständnissen kommt.

Ansonsten interessiere ich mich für alles geschichtliche, auch nachrichtentechnisch und was damit zu tun hat, heisst, Technik, Standorte, etc, pp.

Brandenburg
03.10.2014, 13:34
:lemo:
Da lacht die Zitrone,
Ja ich meinte OM.Für dieses gerät ist es schwer näheres zuerfahren - wurde in Calbe hergestellt .

yogi
03.10.2014, 17:16
:lemo:
Für dieses gerät ist es schwer näheres zuerfahren - wurde in Calbe hergestellt .
Da kann ich Dir leider nicht weiter helfen... Vielleicht findet sich ja noch jemand, der Dir da Auskunft geben kann.

Frank K.
03.10.2014, 17:42
Für dieses gerät ist es schwer näheres zuerfahren - wurde in Calbe hergestellt.

Das ist nicht so der Schwerpunkt unseres Forums, andererseits lesen hier Viele auch damit Vertraute mit. Calbe ist ja nun schon ein Hinweis.

Wenn das Gerät in deinem Besitz / Zugriff ist, stelle dazu ein Foto auch der Frontansicht ein. Damit wir wissen, über was wir reden.

Grüße Frank

Brandenburg
16.11.2016, 20:43
Hallo Frank
106170


Das ist ein Gerät von radiocon

http://www.rwd-mb3.de/ntechnik/pages/2025.htm

Im link die Fotos vom Innenleben sind auch von mir,
ich suche bitte die Zusatzgeräte vielleicht kennt jemand diese Geräte.

Frank K.
17.11.2016, 09:02
Manche Dinge dauern eben :)

Faszinierend finde ich den Stromversorgungsanschluss rechts oben. So was kenne ich nur noch als Kind am Bügeleisen meiner Großmutter aus Ende der 50er Jahre. Das muß ja dann spätestens in den frühen 60ern produziert worden sein ?!

Gibt es ein Foto der Frontansicht des zugehörigen Tonbandgerätes ? Das wäre doch bestimmt auch interessant, weil sehr speziell.

Grüße Frank