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Thema: S1-Sondernetz für Bedarfsträger, Geschichte und Entwicklung nach 1989

  1. #1
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    S1-Sondernetz für Bedarfsträger, Geschichte und Entwicklung nach 1989

    Hallo zusammen,
    ich war als Nachrichtentechniker einer SBZ im WID (Wartungs- und Instandhalungsdienst) einer SBZ tätig.
    Mich würde der Verbleib unserer Technik und vor allem der heutige Einsatz unseres umfangreichen Kabelnetzes interessieren.
    Mein damaliger Standort ist heute als Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes (laut Streetview) deklariert.
    Ist das nur Tarnung oder Tatsache und wenn, wem gehören und wer betreibt die ehemals druckluftüberwachten Kabel?

  2. #2
    Moderator Avatar von Frank K.
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    Eine interessante Fragestellung ! Eine erste Antwort zum allg. Verständnis, das ist ein Thema was etliche Forscher beschäftigt(e). Dadurch ist auch Einiges zusammengetragen worden.

    Entsprechend eines Regierungsbeschluss von 1/1990 wurde dieses Netz vom MfS / AfNS an das MdI der ehem. DDR übergeben.

    Für die Verwaltung und den weiteren Betrieb des Netzes wurde im MdI das Zentralamt Spezialfernmeldetechnisches Dienstnetz der Regierung SFDR gebildet (nach den ersten demokratischen Wahlen umbenannt in SFD).

    Das SFDR erstellte eine Studie zu diesem Sonderkabelnetz. Diese war dann die Grundlage der Weiternutzung.

    Die ‚Telekom AG‘ übernahm nachfolgend nahezu komplett die technischen Systeme der D.Post der DDR. Sie blieb da also im Prinzip aussen vor, übernahm aber später einige speziell herausgefischte Teile davon.

    Nachfolgend wurden etliche Teile, auch unterstützt durch Insider des Netzes, von der Privatwirtschaft übernommen. Namentlich die damals entstandenen Mobilfunkfirmen, deren Namen sind bekannt. Mittlerweile wird die Nutzung dieser Teile durch modernste Entwicklungen des mobilen Datenfunknetzes uninteressanter.

    Die betreffenden Sonderkabelstrecken – zumindest die Hauptstrecken - wurden & werden nahezu übergangslos weitergenutzt. Also Vorsicht bei Annäherung an zugehörige Objekte. Man nimmt vieles heutzutage erst unmittelbar am Gebäude war.

    Was den meteorologischen Dienst betrifft » mir ist da als damalige Doppelnutzung der Standort Leipzig in der Kärrnerstraße bekannt. Dieser Teil des Objektes wurde vom DWD übernommen und im Keller soll Übertragungstechnik weiterhin in Nutzung sein. Das passt aber nicht so recht zu deinem Nicknamen

    Willkommen im Forum - Frank

  3. #3
    Moderator Avatar von Frank K.
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    Korrektur zur Bezeichnung SFDR: korrekt » Spezialfernmeldedienst der Regierung

    Die Bezeichnung SFDR wurde konkret am 03.10.1990 geändert in SFD. Der SFD wurde zum 31.12.1990 aufgelöst und bis zum 30.06.1991 abgewickelt.

    Grüße Frank

  4. #4
    Erfahrener Benutzer Avatar von Skynet
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    Frank ,

    SFDR war das ehemalige MfS Sonderkabelnetz . S1 das Netz unter unter Obhut des MfNV. WS kann da sicherlich mehr zu sagen.

    Grüße Skynet

  5. #5
    Moderator Avatar von Frank K.
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    Das ist schon klar & korrekt. So richtig trennen kann man es (bzgl Nachnutzung) nicht, ich denke der TE meint es so. Aber mal sehen wie es dazu weitergeht.

    Grüße Frank

  6. #6
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    Mal meine Erinnerungen dazu.
    SFDR hatte rein gar nichts mit dem S1 Netz zu tun, außer Schnittstellen der Leitungsnutzung.
    Unter der Obhut des MdI wurde das "alte" WTsch Netz der Regierung weiterbetrieben und auch noch im Jahre 1990 erweitert. Insbesondere die Mitglieder der neuen Regierung erhielten Anschlüsse aus diesem Netz, um störungsfrei zu telefonieren.
    Es war ein autarkes Netz, welches gewartet und gepflegt wurde.
    Bis Anfang Oktober bestanden die Verbindungen mit Spezialtechnik in fast alle Hauptstädte der "Bruderländer" Erst 2 Tage vor der "Vereinigung" wurde die sensible Technik abgebaut und rückgeführt. Nach Moskau erst am 02.10.1990.

    Freundlichst

    thommy_berlin

  7. #7
    Erfahrener Benutzer Avatar von burk
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    Hallo,
    ich persönlich würde sagen: Viel davon ist nicht mehr da und wird auch nicht mehr genutzt.
    Die damalige Technik war bereits in den 90ern weit Überhohlt, denke man an Trägerfrequenz- oder die damalige PCM Technik. Von den Vermittlungsanlagen mal ganz zu schweigen. Das meiste davon dürfte in den neunzigern verschrottet worden sein. Die meisten SBZ gebäude dürften eine neue Nutzung haben. Einige wurden auch abgerissen. Wozu benötigt man denn auch eine SBZ, wenn dahinter niemand mehr ist, der einen Anschluss braucht?
    Und zu den Kabeln, nun da gab es in den neunzigern ein massives Glasfaserasubauprogramm.

    ... meint BURK

  8. #8
    Erfahrener Benutzer Avatar von martin2
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    Vermutlich ist jede Antwort richtig - man kann es so oder so sehen.

    Wenn wir mal weg von Netzebenen wie S1 oder R1 hin zur physikalischen Ebene gehen, dann sind die Haupttrassen mit den großen Tuben völlig unverändert in Betrieb, beispielhaft die FK-Trasse 4. Warum auch nicht, an den physikalischen Parametern und diesbezüglichen Standards hat sich ja nichts geändert. Man hat ja auch nicht die Erdöl- und Erdgasleitungen aus der Erde gerissen, nur weil sich da ein politisches System änderte. (Klar, es sind Unmengen an Glasfaser-Fernkabeln dazugekommen.)

    Und da es so ist wie es ist, sind auch die Schaltpunkte und Übertragunggstellen noch immer genau dort, wo die DDR sie hinpflasterte. Im Großraum MD zum Beispiel einen richtig schicken Tiefbunker. Oder bei mir um die Ecke eine ÜSt-2 und eine ÜSt-8 - beiden geht es ganz prächtig.

    Das einige ÜSt-2 außer Betrieb gingen, liegt doch eher daran, dass der vorrangige Bedarf in der märkischen Pampa nicht mehr gegeben ist und dass man da auch kein Westberlin mehr "umfahren" muss. Den anderen geht es mit neuer Technik ganz prima. Der Eindruck täuscht insoweit etwas: Wir haben nur die außer Betrieb gegangenen ÜSt im Auge, die in Betrieb befindlichen verbieten sich nach hiesigen Regeln der Diskussion. Da kann man schon mal einen falschen Eindruck bekommen.
    Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. Jean-Paul Sartre

  9. #9
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    Moin Moin,

    in #1 ist die Rede von S1 und SBZ = Sondernetz 1 und Schalt-und Betriebszentralen (Üst5) . Also ZfSB MfNV/NVA.
    Verwirrend ist der Bezug in #1 auf ein umfangreches Kabelnetz. Denn das S1 hatte kein eigenes Kabelnetz. Alle Übertragungsstrecken waren bei Post gemietet. Hatte dazu jetzt extra noch den Ex Leiter Schaltbefehlsstelle ZfSB ( Major F.) befragt. Er verneinte eigene Fernübertragungskabel.
    Nach 1990 befristet weiter betrieben. Dann zu in Teilen zu GSVBw umgenutzt.... und sugzessive die Anzahl dem Truppenabbau angepasst, bis nur noch Eine für Ostdeutschland übrig war. Aber die dürfte inzwischen auch schon Geschichte sein. Denn die Buwe telefoniert mittels IP-Telefonie und der Vermittlungsechner stand viele Jahre im Keller Gebäude89 in Eggersdorf/Strausberg.
    Die Bedarfsträger außerhalb der Armee flogen Herbst 1990 gnadenlos raus. Selbst Objekte ohne Weiterverwendung in der Buwe wurden gekappt und Miet-Leitungen gekündigt.
    Die DDR-Technik kam komplett auf den Müll. Gebäude- z.Bsp. NZ24 Berlin standen bisher leer und verrotteten. Einige Gebäude fanden zivile Nachnutzer.
    Soweit erst einmal.

  10. #10
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    Bis Ende 1990 hatten NVA Strukturen und Verfahren "Bestandsschutz".
    Die Übernahme zur Bundeswehr als GSVBw gestaltete sich:
    Wie:
    NZ-3 /SBZ Leipzig zur GSVBw 70
    NZ-4/SBZ Neubrandenburg zur GSVBw 90
    NZ-5/SBZ Potsdam zur GSVBw 80
    NZ-6/SBZ Stralsund zur GSVBw 81
    NZ-64/SBZ Rostock zur GSVBw 87

    Der Rest ( bis auf eine NZ im Süden) war nicht übernahmefähig.
    Geändert von Uecker (13.06.2017 um 21:59 Uhr) Grund: Tippfehlerkorr.

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