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Thema: Allgemein: Katastrophen, Naturgewalten, Unglücke oder Zwischenfälle in der DDR

  1. #21
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    AW: Katastrophen, Naturgewalten, Unglücke oder Zwischenfälle in der DDR

    15. Mai 1960 – In der Nähe des Bahnhofes Leipzig Hauptbahnhof stieß wegen falscher Stellung der Weiche 262 gegen 20:20 Uhr der Eilzug E 237 Halberstadt–Bad Schandau mit dem Nahverkehrszug P 466 Leipzig–Halle frontal zusammen. Bereits am Unfallort starben 54 Menschen, weitere in den Krankenhäusern, die tatsächliche Zahl der Opfer blieb unklar. Unfallursache war menschliches Versagen nach einem technischen Fehler; der Fahrdienstleiter hatte es versäumt, die korrekte Weichenstellung im Bahnhof zu überprüfen.
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  2. #22
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    AW: Katastrophen, Naturgewalten, Unglücke oder Zwischenfälle in der DDR

    1. März 1962 - Ein mit etwa 30 Panzern vom Typ T-55 beladener Militärzug einschließlich sieben oder acht gedeckte Güterwagen mit je 30 bis 50 Mann eines sowjetischen Panzerbataillons in Richtung Berlin fahrend, begegnet kurz vor 19.00 Uhr etwa auf Höhe des damals noch schienengleichen Bahnübergangs der heutigen B 101 (Schrankenposten 39) nahe der Ortschaft Kliestow ca. 1 1/2 Kilometer südlich von Trebbin einem mit 120 km/h entgegenkommenden D-Zug des Städteschnellverkehrs Berlin-Leipzig, der in Richtung Leipzig unterwegs ist. Zwei Panzer stehen sich jeweils auf einem Plattenwagen gegenüber, wobei sich die Kanonenrohre in Fahrtrichtung kreuzen. Aus ungeklärter Ursache löste sich die Turmarretierung eines Panzers, so dass das zur Seite schwenkende Kanonenrohr zuerst die Dampflok streift und dann drei bis vier D-Zug-Wagen seitlich aufreißt. Dabei wird ein Reisender des D-Zuges erfaßt und aus dem Zug geschleudert, wobei er sofort ums Leben kommt. Dies ist zugleich das einzige offiziell von den Medien der DDR verkündete Todesopfer des Unglücks. Durch die Kollision kippt der Panzer entgegen der Fahrtrichtung von seinem Waggon und blockiert die nachfolgenden Waggons des Militärzuges, wobei diese auflaufen, entgleisen, sich ineinander verkeilen und auftürmen. Dabei erleiden viele sowjetischen Militärangehörige in den Mannschaftswagen zum Teil tödliche Verletzungen. Über diese Todesopfer und deren Zahl gibt es offiziell von deutscher, wie von sowjetischer Seite keinerlei Meldungen. Vielmehr wird von offizieller Seite alles versucht das Geschehen geheimzuhalten bzw. zu vertuschen. Nach Augenzeugenberichten der am Unfallort eingesetzten Rettungskräfte kammen zwischen 70 und 90 Sowjetsoldaten ums Leben. Wie viele der in die umliegenden Krankehäuser transportierten Verletzten noch an den Folgen starben, wird ebenfalls nie bekannt.
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  3. #23
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    10. Juli 1973 - Unfall Leipzig-Leutzsch

    03 2121 D 703 Leipzig - der Zug entgleiste im Bahnhof Leipzig-Leutzsch infolge überhöhter Geschwindigkeit. Auf Grund der angespannten Betriebssituation an diesem Tag sollte der Zug in dem genannten Bahnhof nicht wie planmäßig üblich über das Bahnsteiggleis 1, sondern über das Bahnhofsgleis 3 fahren. Am Einfahrsignal wurde dem Zug "Fahrt mit Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h" signalisiert. Der Lokführer bemerkte das Signal jedoch zunächst nicht. Als er das Signal bemerkte, versuchte er den Zug noch abzubremsen. Mit 80 km/h, statt der signalisierten 40 km/h befuhr der Zug die in der Einfahrt liegenden doppelte Kreuzungsweiche. Die Lok hob beim Befahren der auf Abzweig liegenden Weiche ab. In der nächsten nach links abbiegenden Weiche entgleiste die Lok und fuhr mit voller Wucht in das am Ende der Weichenstrasse befindliche Fahrdienstleiterstellwerk. Bei diesem Unfall entgleiste auch der erste Wagen und die nachfolgenden Wagen des Schnellzuges schoben sich ineinander. Das Fahrdienstleiterstellwerk wurde schwer beschädigt und auch komplett die Stellwerkstechnik außer Betrieb gesetzt. Der Lokheizer konnte sich durch einen Sprung von der Lok retten. Bei diesem Unfall waren vier Tote, unter ihnen der Lokführer, sowie 25 Verletzte zu beklagen. Die Beräumung der Unfallstelle dauerte zwei Tage, da die Aufräumarbeiten durch die ausgefallene Stellwerkstechnik erschwert wurden. Die Lok 03 2121 war erst am 13. Juni 1973 nach einer erfolgten L6-Untersuchung aus dem Raw Meiningen gekommen und wurde daher mit Teilen der z-gestellten Dresdener Lok 03 2070 wieder aufgearbeitet. Auch das zerstörte Stellwerk wurde wieder aufgebaut und noch heute ist an einem neueren Anbau des Stellwerkes erkennbar.



    Quelle: EK-Verlag - Die DR vor 25 Jahren - 1973
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  4. #24
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    27. November 1977 - Kesselzerknall der Lok 01 1516 in Bitterfeld



    03 2121 D 562 von Leipzig nach Berlin und 01 1516 D 567 von Berlin nach Leipzig -

    An diesem Tag wurde der D 562 von Plauen/Vogtland über Leipzig-Hbf nach Berlin-Schöneweide auf dem Streckenabschnitt von Leipzig-Hbf nach Berlin-Schöneweide planmäßig mit der Lok 03 2121 des Bw Leipzig-Hbf-West bespannt. Kurz hinter Lutherstadt Wittenberg lösten sich infolge eines Wassermangels im Kessel beide Schmelzpfropfen der Lok - man hatte die Lok trockengeheizt. Der Kessel der Lok soll ausgeglüht sein. Daraufhin wurde der Zug einschließlich der Lok von einer Diesellok der Baureihe 118 nach Berlin-Lichtenberg geschleppt. Das Lokpersonal war also mit der Lok 03 2121 nur knapp einem Kesselzerknall entgangen.

    In der Einsatzstelle Berlin-Lichtenberg wurde dem Leipziger Lokpersonal die Lok 01 1516 des Bw Berlin-Ostbahnhof ersatzweise zur Verfügung gestellt. Die Lok war erst zwei Tage zuvor aus dem Raw Meiningen zurückgekommen und in der Einsatzstelle als Reservelok eingeteilt worden. Dem Leipziger Lokpersonal wurde deshalb in der Lokleitung mitgeteilt, das deshalb unbedingt noch die Vorräte der Lok ergänzt werden müssen. Da aber schon eine größere Verspätung vorhanden war und das Lokpersonal nicht länger warten wollte, wurde nur Kohle aber kein Wasser genommen. Trotzdem wurde der Lokleitung mitgeteilt, das die Vorräte vollständig ergänzt worden waren. So bespannte die Lok 01 1516 den D 567 von Berlin-Schöneweide über Leipzig-Hbf nach Reichenbach/Vogtland von Berlin bis Leipzig.

    Zwischen Jüterbog und Lutherstadt Wittenberg wurde dann für Bitterfeld ein Wasserhalt verlangt, nachdem ein Wasserhalt in Lutherstadt Wittenberg abgelehnt worden war. Bei der Einfahrt in den Bitterfelder Bahnhof war der Wasserstand dann jedoch schon soweit gesunken, das bedingt durch den Übergang von der geneigten zur ebenen Strecke und die gleichzeitige Bremsung des Zuges das noch im Kessel verbliebene Wasser nach vorn über die sowieso schon stark überhitzte Strahlungsheizfläche schwappte. Dadurch riß die Feuerbuchsdecke ein und das Führerhaus der Lok wurde zerstört. Der Kessel der Lok, immer noch vom Zylinderblock gehalten, machte eine Drehung im 180 Grad und schleuderte dabei Glut in einen auf dem Nachbargleis einfahrenden Reisezug, von dem sofort zwei Wagen brannten. Dann riß sich der Kessel vom Zylinderblock los und landete zirka 40 Meter vor der Lok, wobei der Kessel sich kalt mit den Fahrschienen verschweißt haben soll. Dabei wurde auf einer Länge von ebenfalls zirka 40 Metern das Bahnsteigdach und auf einer Länge von zirka 60 Metern die Fahrleitung beschädigt. Das Lokpersonal soll bei diesem Unglück den Tod gefunden haben und bei den Aufräumungsarbeiten auf dem zerstörten Bahnsteigdach gefunden worden sein.

    Als nach dem Unglück die beiden Lok von den Spezialisten des Raw Meiningen untersucht wurden, stellte sich heraus, das die Tender beider Lok kaum noch Kohle und Wasser enthielten. Bei der Lok 01 1516 hatten außerdem Kesselsteinablagerungen das Lösen der Schmelzpfropfen verhindert. Die Lok 03 2121 wies noch zahlreiche andere Mängel auf, woraufhin eine Untersuchung des gesamten Leipziger Lokbestandes angeordnet wurde. Von diesen Lok wies allein die Lok 03 2137 371 verschiedene Mängel auf, so das eine baldmöglichste Untersuchung im Raw Meiningen erforderlich war. Auch die restlichen Lok des Bw Leipzig-Hbf-West müssen zu einem nächstmöglichen Termin in das Raw Meiningen.

    Quelle: Eisenbahn-Kurier 01/1978 und das Buch "Die Baureihe 01" vom Transpress-Verlag
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  5. #25
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    AW: Katastrophen, Naturgewalten, Unglücke oder Zwischenfälle in der DDR

    29. August 1969 Auffahrunfall im Bahnhof Großkorbetha
    Die E 18 40 wurde im Auftrag der Versuchsanstalt für Tempo 160 kmh umgebaut und und sollte an diesem Tag die Probefahrt als Vorspannlok eines Schnellzuges von Halle nach Erfurt absolvieren. Planzuglok des D-Zuges war die Neubaulok E 11 004. Doch die Abnahmefahrt geriet zu einer Katastrophe. Im Bahnhof Großkorbetha wurde der Zug auf ein Gleis geleitet, in dem sich noch die E 42 073 aufhielt. Zum Glück erkannte die Besatzung auf der E 18 40 die Gefahr noch rechtzeitig und konnte sich nach Notsignal und Einleitung der Schnellbremsung in den Maschineraum flüchten. Mit ca. 100 km/h stieß die E 18 40 auf die E 42 073 auf und zermalmte den Führerstand der Neubaulok vollkommen. Die Wucht des Aufpralls war so groß, dass die verkeilten Lokomotiven erst nach 150 Meter zum Stehen kam. Die hinter der E 18 mitlaufende E 11 004 hatte sich unter den Pufferträger der E 18 geschoben und den hinteren Führerstand der E 18 zerstört. Gleichzeitig war der Führerstand der E 11 ab der Einstiegstür nach unten abgeknickt worden, so dass die Puffer der Lok die Gleise berührten. Dem stabilen Rahmen der E 18 ist es wohl zu verdanken, dass es nur Verletzte und keine Toten gab. Die E 18 40 und E 42 073 wurden am 30. August 1969 z-gestellt und kamen über einen Umweg beim Bw Halle P bis Mitte September 1969 zusammen mit der E 11 004 ins RAW Dessau. Während es noch genügend Güterzugloks gab und zwei Schnellfahrloks der VESM Halle ausreichten, konnte auf die E 11 004 nicht verzichtet werden. So wurde die E 42 073 am 31. Juli 1970, die E 18 40 im Jahr 1971 ausgemustert. Die E 11 004 wurde dagegen unter Verwendung eines neuen Fahrzeugteils und neuer elektrischer Ausrüstung unter als 211 056 bis Juni 1972 wieder aufgebaut.
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  6. #26
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    AW: Katastrophen, Naturgewalten, Unglücke oder Zwischenfälle in der DDR

    1. November 1964
    Auf der Hauptstrecke Berlin–Rostock überfuhr ein mit Kies beladener Güterzug im Bereich des Bahnhofes Langhagen auf einem Überholgleis ein Halt zeigendes Signal und rammte ein Prellbock. Durch die Wucht des Aufpralls des über 1000 Tonnen schweren Kieszuges wurde der erste Waggon zuerst senkrecht nach oben gedrückt. Als ein Schnellzug auf dem Hauptgleis die Unfallstelle passierte, stürzte der hochgestellte Waggon in den vorbeifahrenden Zug. Bei der Kollision wurden drei Schnellzugwagen total zerstört, drei weitere schwer beschädigt. 44 Menschen kamen ums Leben und 70 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Im Einsatz waren neben den Helfern von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Polizei auch zahlreiche Freiwillige sowie Soldaten der Nationalen Volksarmee und der sowjetischen Armee. Der finanzielle Schaden belief sich auf mindestens 1,7 Millionen Mark. Nach diesem verheerenden Unglück wurden alle Eisenbahn-Hauptstrecken mit Vorrichtungen versehen, die einen Zug nach unerlaubter Vorbeifahrt an einem rotzeigenden Signal selbsttätig zum Stehen bringen.
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  7. #27
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    AW: Katastrophen, Naturgewalten, Unglücke oder Zwischenfälle in der DDR

    22. März 1990

    In den Mittagsstunden des Tages kam es zu einem schweren Zugunglück als der D 734 von Leipzig nach Rostock und der P 7343 von Halle/Saale Hbf nach Leipzig-Hbf im Bahnhof Gröbers bei Halle/Saale zusammenstiessen. Ursächlich für den Unfall war die mangelhafte Arbeit (keine Fahrwegprüfung vor Zugfahrt D 734) des Fahrdienstleiters des Bahnhofes in Gröbers.

    Bei dem Zugunglück wurden fünf Personen getötet und 38 Personen verletzt. Die Lokomotiven 243 004 des P 7343 und 243 912 des D 734 und zwei Reisezugwagen wurden total zerstört.
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  8. #28
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    AW: Katastrophen, Naturgewalten, Unglücke oder Zwischenfälle in der DDR

    Hallo !

    So tragisch und traurig die ganzen Bahnunfälle sind , gibt es dafür schon etliche Foren.

    Aber ansonsten ist man doch in der kleinen DDR , trotz oder gerade wegen der alten Technik , von so richtigen Unglücken verschont geblieben !

    Denn damals galt ja noch : Jeder Unfall ist einer zuviel !

  9. #29
    Moderator Avatar von Frank K.
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    AW: Katastrophen, Naturgewalten, Unglücke oder Zwischenfälle in der DDR

    Zitat Zitat von Sven K. Beitrag anzeigen
    Die Grubenkatastrophe im VEB Steinkohlenwerk "Karl Marx" Zwickau vom 22. Februar 1960 forderte 123 Menschenleben.
    Ich habe dazu noch eine interessante Kommentierung im Zusammenhang mit Beitrag #1 gefunden »

    Es galt als eine der größten Bergwerkskatastrophen der Nachkriegszeit.

    Auch Bergleute und Grubenwehren aus dem Ruhrgebiet bieten ihre Hilfe an. Doch der kalte Krieg läuft ein Jahr vor dem Mauerbau wieder auf Hochtouren. Von Anfang an wird die Rettung so durch einen Schlagabtausch zwischen Ost und West überschattet. Während die Bundesregierung Staatstrauer anordnet und die Fahnen auf Halbmast setzt, lehnt die DDR jede Unterstützung ab und weist alle Anteilnahme als Heuchelei zurück.

    Knapp eine Woche kämpfen die Helfer um die Rettung der Kumpel. Weil das Feuer zwischenzeitlich wieder aufflammt, versprühen Tschechen Latex im Schacht, um mit Hilfe dieser synthetischen Kautschuklösung einen luftdichten Film zu erzeugen, der die Flammen erstickt. Es gelingt so noch, einige Bergleute zu retten. Doch als sich nach sechs Tagen ein neuer, gewaltiger Brandherd bildet, entscheidet die Einsatzleitung » Der Abschnitt wird zugemauert.

  10. #30
    Moderator Avatar von Frank K.
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    AW: Katastrophen, Naturgewalten, Unglücke oder Zwischenfälle in der DDR

    Die Bitterfelder Katastrophe

    Eine für die DDR lange Zeit bestimmende Katastrophe ereignet sich am 11.7.1968 im Chemiekombinat in Bitterfeld. Sie ist bis dahin neben dem Grubenunglück am 22.Februar 1960 im Steinkohlebergwerk in Zwickau sowie dem Eisenbahnunglück 1967 in Langenweddingen, als ein Tanklastzug in einen vollbesetzten Zug raste, die schwerste Katastrophe ihrer Art nach 1945 in der DDR.

    Ausgelöst wird sie während des Schichtwechsels in der PVC-Produktion des Chemiekombinats Bitterfeld gegen 14.00 Uhr. In der Frühschicht wurden bei einem der 12 Autoklaven, in denen der Produktionsprozeß zum PVC innerhalb von 16 Stunden erfolgt, undichte Stellen entdeckt. Dies stellt normalerweise kein Problem dar, da sowieso bei Druckänderungen am Autoklaven das gasförmige Vinylchlorid immer einfach in den Raum abgelassen wird. So ist es auch am 11. Juli. Noch vor Schichtwechsel gelingt es nicht, die Undichtheit am Manometerflansch am Autoklaven 7 zu beseitigen. Der Autoklave, in dem bereits Vinylchlorid in großen Mengen eingeströmt ist, soll wieder vollständig entleert werden, um eine neue Dichtung im Manometerflansch einziehen zu können. Wie üblich, wird das explosionshaltige Gas einfach in die Produktionshalle abgelassen, eine Verfahrensweise, die häufig bei den Arbeitern zu Bewusstseinsstörungen führt und gesundheitliche Schädigungen erzeugt. Zwar wird durch Hupen der Austritt von Vinylchlorid signalisiert, sogenannter „VC-Alarm", an diesem Tag ist die Konzentration des Gases jedoch so hoch, daß die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten ist. Um 14.02, die nächste Schicht konnte sich noch gar nicht auf die Arbeit einstellen, erschüttert eine gewaltige Detonation das Produktionsgelände und ganz Bitterfeld. Noch in Muldenstein, einem Ort etwa 6 km vom Explosionsort entfernt, zerbersten Fensterscheiben. Viele der 57 Arbeiter in der PVC-Produktionshalle sind sofort tot. Es herrscht Entsetzen. Über 200 Verletzte, viele davon schwer, müssen ärztlich versorgt werden. Die Detonationswelle walzt große Teile des Betriebes nieder. Aufgrund des weiterhin ausströmenden Vinylchlorid kann man 3 Tage lang nicht mit Schneidbrennern arbeiten, sondern muß sich mühevoll mit Händen und einfachen Geräten an die Opfer herantasten. Die Schäden, die bilanziert werden, sind enorm. 42 Menschen müssen sterben. 80 Millionen Mark direkter Sachschaden entsteht. Das Werk wird in Bitterfeld nicht wieder aufgebaut. Die Produktion wird nach Schkopau zum Kombinat Buna verlagert.

    Quelle & weiter »
    bitterfelder-katastrophe

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